Der Skipper

Vom Zürcher Seebecken auf die Wasserstrassen Europas

Aufgewachsen im beschaulichen Zürcher Oberland in einer tourismusbegeisterten Familie und heute glücklich am schönen Zürichsee lebend, wurde mir das Reise-Gen quasi in die Wiege gelegt. Mein Vater lieferte die Steilvorlage: Er schipperte schon als junger Mann mit einem selbstgebauten Kanu die Rhone hinunter bis nach Marseille. Kein Wunder also, dass mich das Wasser schon von klein auf magisch angezogen hat – egal ob unter Segeln oder mit lautem Motor, auf ruhigen Seen oder dem offenen Meer. Beruflich schlug ich zwar erst einmal den soliden Weg im Tourismus- und Finanzumfeld ein, aber im Kopf sammelte ich schon fleissig Lizenzen für das nächste grosse Ding. Vom internationalen Hochseeausweis über Funklizenzen bis hin zum Tauchschein liegt alles bereit, was man für das echte Abenteuer braucht. 

Seit meiner Jugend träumte ich davon, die Welt auf traditionelle Weise auf dem Seeweg zu erkunden. Nun, im knackigen Ruhestandsalter, musste ich einsehen: Den Atlantik ganz alleine auf einer Segelyacht zu bezwingen, klingt bei einem kühlen Bier am Stammtisch irgendwie romantischer, als es sich für den Rücken und die mentalen Nerven in der Realität anfühlt. Man muss den Traum ja nicht begraben, man muss ihn nur clever anpassen! Da die Heimat ihre schönen Flüsse und Seen gefühlt fast ausschliesslich zur Stromgewinnung nutzt, verlagere ich meinen Aktionsradius einfach. Mit meinem Projekt „Fahr away“ (oder: „Alles im Fluss“) erkunde ich Europa nun über seine grossen Wasserstrassen von Nord nach Süd und West nach Ost. Dass ich dieses Abenteuer überhaupt in Angriff nehmen kann, verdanke ich zwei wunderbaren, erwachsenen Töchtern und vor allem der besten Ehefrau der Welt, die mich nicht nur gewähren lässt, sondern dieses Projekt mit ihrer liebevollen moralischen Unterstützung mitträgt. "Leinen los für den wohl entspanntesten Unruhestand!"
Der Fluss gibt das Tempo vor, das Meer die Weite, ich den Genuss. Alles im Fluss, Zeit für das, was zählt.