Verdrängen oder Gleiten?

Wer sich mit dem Schiffsrumpf beschäftigt, landet unweigerlich bei der Frage: Will ich schleichen, fliegen oder das Beste aus beiden Welten? Die drei Kandidaten auf dem Prüfstand waren Verdränger, Gleiter und Halbgleiter. Ein reiner Verdränger schiebt das Wasser gemütlich beiseite und ist das Nonplusultra in Sachen Entschleunigung und Spritsparen. Wer allerdings schon mal versucht hat, mit einem behäbigen Verdränger auf dem Rhein oder der Donau gegen eine knackige Strömung anzukämpfen oder an einem riesigen Frachtschiff vorbeizuziehen, weiss: Das ist kein Reisen, das ist eine Geduldsprobe. Am anderen Ende des Spektrums steht der Gleiter. Er schiesst elegant über die Wellen, sprintet jedem Unwetter davon, benimmt sich im langsamen Kanaltempo aber oft so nervös, dass man am Steuer ununterbrochen korrigieren muss – vom brutalen Strudel im Dieseltank bei Vollgas ganz zu schweigen.

Die goldene Mitte und mein persönlicher Sieger wurde deshalb der Halbgleiter. Dieses Rumpfdesign liefert den perfekten Kompromiss. Dank einer leichten Kielführung läuft das Schiff im Schleichtempo absolut spurtreu geradeaus, ohne dass man nach zwei Stunden Kanalfahrt einen lahmen Arm bekommt. Wenn es aber hart auf hart kommt, hat er genug Muskeln im Motorraum, um den Rumpf anzuheben und mit über 20 Knoten über das Wasser zu jagen. Damit verliert die Donau ihren Schrecken, Frachtschiffe werden zu Statisten und selbst die Überquerung des Ärmelkanals oder der Trip zum schwedischen Götakanal werden zum absolut sicheren Vergnügen. Ein flexibler Allrounder für alle Gewässer – genau mein Ding