Wo weniger einfach mehr Freiheit ist:
Die Grösse des zukünftigen Zuhauses war ein echter Seiltanz zwischen Komfort und gesundem Menschenverstand. Natürlich träumt das Herz insgeheim von einer schwimmenden Luxusvilla mit maximaler Wohnfläche. Die Realität als meist alleinreisender Skipper sieht aber anders aus: Das Ding will in der Schleuse schliesslich auch ohne zehnköpfige Matrosencrew gebändigt werden.
Da ich zu 80 % auf europäischen Flüssen und Kanälen unterwegs sein werde, mussten sich die Abmessungen knallhart den Wasserstrassen unterwerfen. Erfahrene Kapitäne wissen: Wer unter 12 Metern Länge bleibt, findet selbst in der absoluten Hochsaison am späten Nachmittag noch entspannt einen Liegeplatz im Hafen. Alles darüber mutiert schnell zum stressigen Suchspiel nach dem langen Fahrtag.
Auch die Breite ist ein absoluter Krimi – wer in Frankreichs historischen Kanälen oder engen Tunneln nicht rückwärts wieder ausfahren möchte, lernt jeden Zentimeter zu schätzen. Nach intensiver Rechnerei stand mein persönliches Gesetz fest: Unter 12 Meter Länge und unter 4 Meter Breite. Dieser Kompromiss kostet mich zwar ein paar Quadratmeter Wohnfläche, bringt mir aber die Freiheit, fast jede Schleuse stressfrei zu meistern und mein Schiff im Hafen problemlos allein zu händeln. Ein wahrer Nomade braucht eben keine Palastmaße, sondern Wendigkeit.