Die unsichtbaren Grenzen: Oben Brücke, unten Schlamm!
Was nützt das schönste Boot, wenn die Reise an der nächsten historischen Steinbrücke oder einer fiesen Sandbank endet? Bei der Evaluation wurde mir schnell klar, dass die wahre Freiheit im Detail – oder besser gesagt: in der Vertikalen – liegt. Oben bremst uns die Durchfahrtshöhe. Wer die 3,50 Meter knackt, steht auf Frankreichs schönsten Kanälen vor einer unüberwindbaren Wand. Die Vorstellung, vor jeder Schleuse und jeder alten Brücke wie ein wild gewordener Handwerker Scheiben runterzuklappen und Verdecke einzupacken, hat meinen Traum vom entspannten Skipper-Leben im Keim erstickt. Ich will fahren, nicht klappen.
Unten wiederum lauert die Realität des sommerlichen Wassermangels. Da viele Wasserwege heute nicht mehr so akribisch ausgebaggert werden wie früher, wird der Tiefgang im Sommer schnell zum Roulettespiel. Pflanzen in der Schraube oder das dumpfe Geräusch, wenn der Kiel im Sand stecken bleibt, brauche ich im Ruhestand definitiv nicht. Mein Fazit für mein Schiff: Bloss nicht mehr als 1,20 Meter Tiefgang und eine entspannte Höhe, die mir auch bei unerwartetem Hochwasser den Schweiss von der Stirn hält. Nur wer sich flach macht, kommt auf den Flüssen richtig weit rum!