Autonomie statt Aggregat?

Auf den ersten Blick klingt die Idee verlockend: Ein eigener Generator an Bord verspricht die ultimative Unabhängigkeit vom Landstrom. Man ankert in einer einsamen, malerischen Bucht und betreibt ganz nonchalant den Gefrierschrank, die Klimaanlage, das Induktionskochfeld und die Mikrowelle parallel. Luxus pur! Ausserdem liefert ein Generator genug Power, um das Schiff komplett gasfrei zu machen, womit man sich die lästigen, bürokratischen Gaskontrollen im Ausland elegant vom Hals hält. Klingt nach dem perfekten Plan für ein sorgenfreies Nomadenleben.

Doch wer die Medaille umdreht, blickt in ein tiefes finanzielles Loch und auf jede Menge Extra-Arbeit. Ein Generator ist schliesslich auch nur ein Dieselmotor – und Motoren wollen gewartet werden. Das Paradoxe in der Seefahrt: Benutzt man den Generator zu selten, quittiert er das schnell mit teuren Standschäden. Rechnet man das Ganze inklusive Klimaanlage durch, wandern mal eben bis zu 50’000 CHF oder Euro über den Ladentisch. Hinzu kommt, dass das laute Knattern und die Abgase in immer mehr idyllischen Buchten und Häfen völlig zurecht verboten sind. Mein Fazit fiel daher radikal aus: Ich verzichte auf den Extra-Diesel. Moderne Solarpanels liefern heute genug Saft für Kühlschrank, Licht und Abendkino. Für die dicken Stromfresser fehlt dann zwar der Saft, aber genau das ist der Punkt: Ich möchte dem durchgestylten Luxus von zu Hause ja ein Stück weit entfliehen. Mein Entschluss steht fest: Kein Generator an Bord – lieber alles im Fluss und die Ruhe geniessen!